Bildung vorausgedacht

Das Werkstattlexikon

55 Begriffe aus den Stationen der Werkstatt, in je zwei bis vier Sätzen. Durchsuchbar über Wort, Nebenform und Erklärung – ein Nachschlagewerk, keine Station.

55 von 55

Amalgamverfahren(auch: Patio-Prozess, Amalgamation)
Ein Verfahren, Silber mit Quecksilber aus gemahlenem Erz zu lösen. Ab etwa 1554 in Neuspanien entwickelt, machte es auch arme Erze verwertbar und hinterließ eine Quecksilberbelastung, die an manchen Orten bis heute messbar ist.
6.000 Jahre
Amtspunze
Eine staatlich aufgebrachte Punze, die den Feingehalt bestätigt. Sie gibt es nur in Ländern mit verpflichtender unabhängiger Punzierung; Österreich gehört nicht dazu. Historisch war das anders – von 1867 bis 1922 galt hier der Dianakopf.
Punzen & Stempel
Angebotsschock
Eine plötzliche Verteuerung auf der Angebotsseite – ein Rohstoff, eine Lieferkette, eine Ernte. Sie hebt das Preisniveau und dämpft zugleich die Wirtschaftsleistung, weshalb eine Notenbank bei ihr zwischen zwei Zielen wählen muss.
Das Kaufkraft-Labor
Anlagemünze(auch: Bullionmünze)
Eine Münze, deren Wert sich am enthaltenen Edelmetall bemisst und nicht an Auflage oder Erhaltung. Sie ist gesetzliches Zahlungsmittel ihres Ausgabestaats und trägt deshalb einen Nennwert, der regelmäßig weit unter dem Metallwert liegt.
Punzen & Stempel
Auftriebsmethode(auch: Archimedes, Dichtebestimmung)
Die Bestimmung der Dichte über die Wasserverdrängung: gewogen wird einmal in Luft und einmal eingetaucht. Sie misst das ganze Stück und ist deshalb sehr stark – nur Wolfram liegt Gold so nahe, dass sie es allein nicht trennt.
Der Prüfstand
Bruttogewicht
Die Masse eines Stücks samt aller Legierungsbestandteile. Erst zusammen mit dem Feingehalt ergibt sich daraus das Feingewicht – bei Feingold sind beide praktisch gleich, bei Schmuck nicht.
Die Schmelze
Cyanidlaugung
Das seit den 1890er-Jahren verbreitetste Verfahren der Goldgewinnung, 1887 patentiert: Gold löst sich in Cyanidlauge und wird anschließend wieder ausgefällt. Es machte Lagerstätten mit sehr geringen Gehalten abbaubar – samt der Umweltrisiken, die damit einhergehen.
Die Schmelze
Dianakopf
Die amtliche Silberpunze Österreich-Ungarns von 1867 bis 1922: der Kopf der Jagdgöttin im Profil. Vier verschiedene Rahmenformen standen für vier Feingehaltsstufen, ein Buchstabe daneben nannte das Punzierungsamt.
Punzen & Stempel
Doré-Barren
Der erste Barren, der in einer Mine gegossen wird: typischerweise 80 bis 95 Prozent Gold und Silber zusammen, dazu Kupfer und weitere Begleitmetalle. Keine Handelsware für Endkunden, sondern das, was die Mine an eine Scheideanstalt liefert.
Die Schmelze
Duktilität(auch: Dehnbarkeit)
Die Fähigkeit eines Metalls, sich ohne zu brechen verformen zu lassen. Gold ist das duktilste aller Metalle: aus einem Gramm lässt sich ein Draht von mehreren Kilometern ziehen.
Die Materialkunde
Elektron
Eine natürliche Legierung aus Gold und Silber. Aus ihr entstanden um 600 v. Chr. in Lydien die ersten bekannten Münzen – ihr schwankender Goldanteil war zugleich der Grund, warum bald getrennte Gold- und Silbermünzen geprägt wurden.
6.000 Jahre
Erwartungsanker
Wie stark sich die erwartete Inflation an der zuletzt gemessenen orientiert statt am Ziel der Notenbank. Fest verankerte Erwartungen lassen eine Störung auslaufen; lose verankerte tragen sie ins nächste Jahr und ins übernächste.
Das Kaufkraft-Labor
Feingehalt
Der Anteil des Edelmetalls, angegeben in Tausendsteln. 999,9 heißt: 9.999 Teile Gold auf 10.000 Teile Metall. Die ältere Angabe in Karat meint dasselbe in Vierundzwanzigsteln.
Die Schmelze
Feingewicht
Die Masse des enthaltenen Edelmetalls, also Bruttogewicht mal Feingehalt. Im Handel wird das Feingewicht abgerechnet und nicht das Stück – deshalb steht auf Großbarren beides.
Die Schmelze
Feinunze(auch: Troy ounce, oz)
Die Gewichtseinheit des Edelmetallhandels: exakt 31,1034768 Gramm. Nicht zu verwechseln mit der Handelsunze zu 28,35 Gramm.
Die Schmelze
Ferromagnetismus
Die Eigenschaft eines Werkstoffs, von einem Magneten angezogen zu werden. Keines der vier Edelmetalle hat sie – und Messing, Blei und Wolfram haben sie ebenso wenig. Deshalb beweist ein nicht haftender Magnet nichts.
Der Prüfstand
Flotation
Ein Aufbereitungsverfahren, bei dem gemahlenes Erz mit Wasser und Chemikalien versetzt wird; die gewünschten Mineralpartikel haften an aufsteigenden Luftblasen und werden als Schaum abgeschöpft.
Die Schmelze
Good Delivery(auch: London Good Delivery, LBMA)
Die Norm des Londoner Edelmetallhandels für Großbarren. Für Gold: mindestens 995,0 Tausendstel, ein Feingewicht zwischen 350 und 430 Feinunzen und eine Kennzeichnung mit Herstellermarke, Feingehalt, Jahr und laufender Nummer.
Die Schmelze
Grat
Über die Kante der Kokille gelaufenes Metall, das nach dem Erstarren abgetrennt werden muss. Ein Gussfehler, der von zu voller Form kommt.
Die Schmelze
Guldiner(auch: Guldengroschen)
Die erste große Silbermünze der Geschichte, 1486 in Hall in Tirol geprägt. Sie entsprach im Wert einem Goldgulden und wog dafür rund dreißig Gramm. Ihre Nachfolger hießen bald „Taler“.
Edelmetall-Österreich
Gusshaut
Die leicht gewölbte, unregelmäßige Oberfläche eines gegossenen Barrens. Sie ist kein Mangel, sondern die Folge des Erstarrens in der Form – und der Grund, warum ein Messschieber bei Gussbarren nichts ausrichtet.
Punzen & Stempel
IACS(auch: International Annealed Copper Standard, Leitfähigkeit)
Die Skala der elektrischen Leitfähigkeit, auf der geglühtes Kupfer per Definition 100 Prozent hat. Silber liegt bei rund 105, Gold bei 73, Platin und Palladium bei je etwa 16.
Die Materialkunde
Kalte Naht(auch: Kaltnaht)
Ein Gussfehler: zwei Schmelzeströme treffen aufeinander, sind aber schon zu kalt, um sich zu verbinden. Die Naht bleibt als Schwachstelle im Stück.
Die Schmelze
Karat(auch: kt)
Eine Feingehaltsangabe in Vierundzwanzigsteln: 24 Karat sind definitionsgemäß reines Metall, 18 Karat sind 750 Tausendstel. Nicht zu verwechseln mit dem Karat der Edelsteine, das ein Gewicht von 0,2 Gramm bezeichnet.
Die Schmelze
Kaufkraft
Was sich für einen Geldbetrag tatsächlich kaufen lässt. Bei gleichbleibender Inflationsrate sinkt sie mit Zinseszins: bei 3 % jährlich ist nach rund 23 Jahren die Hälfte weg.
Das Kaufkraft-Labor
Kipper- und Wipperzeit
Die Münzverschlechterung zu Beginn des Dreißigjährigen Krieges, etwa 1619 bis 1623. Benannt nach den Waagen („Wippen“), mit denen Wechsler vollwertige Münzen aussortierten. Beendet durch eine abgestimmte Rückkehr zum Münzfuß von 1559.
Der Münzmeister
Kokille
Die Dauerform aus Stahl oder Graphit, in die flüssiges Metall gegossen wird. Anders als eine Sandform lässt sie sich vielfach verwenden.
Die Schmelze
Königswasser(auch: Aqua Regia)
Eine Mischung aus konzentrierter Salzsäure und Salpetersäure, üblicherweise im Verhältnis drei zu eins. Sie löst Gold und Platin, was keine der beiden Säuren für sich allein tut.
Die Materialkunde
Kupellation(auch: Treibarbeit, Probierkunst)
Das klassische Verfahren zur Bestimmung des Feingehalts: Eine Probe wird mit Blei in einem porösen Tiegel erhitzt; das Blei nimmt die unedlen Bestandteile auf und zieht in den Tiegel ein, zurück bleibt das Edelmetall.
Der Münzmeister
Legierung
Eine Mischung aus zwei oder mehr Metallen. Bei Schmuck fast immer nötig, weil reines Gold mit einer Mohshärte von 2,5 für den Alltag zu weich ist.
Die Materialkunde
Lunker
Ein Hohlraum, der beim Erstarren einer Schmelze zurückbleibt – meist Folge von zu heißem Gießen und dabei aufgenommenen Gasen.
Die Schmelze
Miller-Verfahren
Ein 1867 von Francis Bowyer Miller patentiertes Raffinationsverfahren: Chlorgas wird durch die Goldschmelze geblasen, die Begleitmetalle reagieren zu Chloriden. Erreicht rund 995 Tausendstel in Stunden.
Die Schmelze
Mohshärte
Eine zehnstufige Skala der Ritzhärte. Alle vier Edelmetalle liegen im weichen Bereich: Gold und Silber bei 2,5, Platin bei 3,5, Palladium bei 4,75. Ein Fingernagel hat rund 2,5, Fensterglas rund 5,5.
Die Materialkunde
Münzfuß
Die Vorschrift, wie viele Münzen aus einer bestimmten Menge Edelmetall geprägt werden. Wer den Münzfuß senkt, bekommt aus derselben Menge mehr Stücke – und aus jedem Stück weniger Metall.
Der Münzmeister
Münzzeichen
Ein kleines Zeichen, das die prägende Münzstätte kennzeichnet – historisch meist ein Buchstabe, heute oft ein Symbol. Es erfüllt dieselbe Aufgabe wie die Herstellerpunze auf einem Barren.
Punzen & Stempel
Nennwert
Der auf eine Münze aufgeprägte Geldbetrag. Bei Anlagemünzen liegt er regelmäßig weit unter dem Metallwert; er macht die Münze formal zum gesetzlichen Zahlungsmittel und damit zur Münze und nicht zur Medaille.
Punzen & Stempel
Outputlücke
Der Abstand zwischen der tatsächlichen Wirtschaftsleistung und der, die ohne Über- oder Unterauslastung möglich wäre. Negativ heißt Unterauslastung – und das ist der Preis, den eine entschlossene Zinspolitik gegen Inflation kostet.
Das Kaufkraft-Labor
Punze(auch: Punzierung, Stempel)
Ein eingeschlagenes oder eingeprägtes Zeichen auf einem Edelmetallgegenstand. In Österreich unterscheidet das Punzierungsgesetz 2000 zwischen Feingehaltspunze, Verantwortlichkeitspunze und Amtspunze.
Punzen & Stempel
Punzierungsgesetz 2000(auch: PZG)
Die österreichische Regelung für die Kennzeichnung von Edelmetallgegenständen. Vorgeschrieben sind Feingehaltspunze und Verantwortlichkeitspunze; die Punzierungskontrolle führt das Bundesamt für Eich- und Vermessungswesen.
Punzen & Stempel
Randriffelung(auch: Rändelung)
Die feinen Kerben am Rand einer Münze. Ursprünglich gegen das Beschneiden gedacht, als Münzen ihren Metallwert trugen – heute ein Prüfmerkmal, weil gegossene Nachahmungen sie selten gleichmäßig hinbekommen.
Punzen & Stempel
Röntgenfluoreszenz(auch: RFA, XRF)
Ein Analyseverfahren, das die Elementzusammensetzung der Oberfläche bestimmt. Es reicht nur wenige Mikrometer tief – ein Stück mit dickem Edelmetallmantel und fremdem Kern besteht diesen Test mühelos.
Der Prüfstand
Saigerverfahren
Ein Verfahren des 15. Jahrhunderts, silberhaltiges Kupfer mit Blei zu trennen: Das Blei nimmt das Silber auf und wird bei niedrigerer Temperatur ausgeschmolzen. Es machte Erze wirtschaftlich, die vorher wertlos waren.
6.000 Jahre
Schallgeschwindigkeit
Wie schnell eine Schallwelle einen Werkstoff durchläuft – in Gold rund 3.240 m/s, in Wolfram rund 5.180. Weil die Messung durch das ganze Stück geht, ist sie der schärfste Test auf einen fremden Kern.
Der Prüfstand
Scheideanstalt(auch: Raffinerie)
Ein Betrieb, der Edelmetalle voneinander trennt und auf definierte Feingehalte bringt. Sie nimmt Doré-Barren, Industrieschrott und Altmetall an und liefert Feinmetall zurück.
Die Schmelze
Seriennummer
Die individuelle Nummer eines Barrens, die ihn mit seinem Zertifikat verbindet. Sie sagt nichts über das Metall – ein Zertifikat, das nicht zum Stück gehört, macht das Metall nicht falsch, aber die Herkunft ungeklärt.
Punzen & Stempel
Sterlingsilber(auch: 925)
Eine Silberlegierung mit 925 Tausendsteln Silber, der Rest meist Kupfer. Härter als Feinsilber und dadurch alltagstauglich; das Anlaufen kommt vom Schwefel in der Luft, nicht vom Kupfer.
Punzen & Stempel
Taler
Eine große Silbermünze, benannt nach dem böhmischen Joachimsthal, wo sie ab 1519 in großer Zahl geprägt wurde. Über das niederländische „daalder“ wurde daraus das englische „dollar“.
Edelmetall-Österreich
Tauerngold
Gold aus den Hohen Tauern, vor allem aus dem Raurisertal und dem Gasteinertal. Der erste feste Beleg ist die Gasteiner Bergordnung von 1342; über die Jahrhunderte wurden mehr als 130 Kilometer Stollen getrieben.
Edelmetall-Österreich
Verantwortlichkeitspunze
Das Zeichen dessen, der für Prüfung und Bezeichnung eines Edelmetallgegenstands einsteht – ein oder mehrere Buchstaben, ein Zeichen oder beides. In Österreich vorgeschrieben, außer bei Gold und Platin unter 2 Gramm und Silber unter 30 Gramm.
Punzen & Stempel
Wiener Konvention(auch: CCM, Gemeinsames Kontrollzeichen)
Das Übereinkommen über die Prüfung und Bezeichnung von Edelmetallgegenständen. Wer das gemeinsame Kontrollzeichen führt – eine stilisierte Waage mit der Feingehaltszahl –, kann in allen Vertragsstaaten ohne erneute Prüfung in Verkehr bringen.
Punzen & Stempel
Wirbelstromprüfung
Eine Messung der elektrischen Leitfähigkeit über ein Magnetfeld, ohne das Stück zu berühren. Sie reicht nur begrenzt in die Tiefe und unterscheidet Werkstoffe mit ähnlicher Leitfähigkeit nicht – Platin und Palladium etwa.
Der Prüfstand
Wohlwill-Elektrolyse
Das 1874 von Emil Wohlwill entwickelte Verfahren: Der vorgereinigte Barren hängt als Anode in Goldchlorid-Lösung, an der Kathode scheidet sich Feingold ab. Erreicht 999,9 Tausendstel und mehr, braucht dafür aber Tage.
Die Schmelze
Wolfram
Ein Metall mit 19,25 g/cm³ – nur 0,36 Prozent unter Gold. Der einzige verbreitete Werkstoff, dessen Dichte Gold so nahe kommt, und deshalb der Kern der aufwendigsten Nachahmungen. Verrät sich über Schallgeschwindigkeit und Leitfähigkeit.
Der Prüfstand
Zain
Ein gewalzter Metallstreifen, aus dem Ronden für die Prägung ausgestanzt werden. Der Zwischenschritt zwischen Barren und Münze.
Die Schmelze
Zinsregel
Eine Vorschrift, um wie viel eine Notenbank ihren Leitzins je Prozentpunkt Zielabweichung anhebt. Je entschlossener sie ist, desto schneller kommt die Inflation herunter – und desto größer wird die Unterauslastung, die auf dem Weg entsteht.
Das Kaufkraft-Labor

Die neun Stationen

Jeder Begriff verweist auf die Station, an der er ausführlich vorkommt. Die Definition hier ist die kurze Fassung.

Was hier nicht steht

Begriffe aus dem Anlagerecht, dem Steuerrecht und dem Wertpapierhandel. Das Lexikon deckt ab, was in den neun Stationen tatsächlich vorkommt: Werkstoffe, Fertigung, Prüftechnik, Zeichenkunde und Geldgeschichte.

Zurück zum Plan

Der Werkstattplan zeigt, welche Stationen offen sind, welche Marken fehlen und wie viele Karat die Werkstatt bislang hat.

Zum Werkstattplan

Die Edelmetall-Werkstatt vermittelt Wissen zu Werkstoffen, Handwerk und Geschichte. Es findet keine Beratung, keine Bewertung, keine Eignungsprüfung und keine Empfehlung durch die Plattform statt. Es werden keine Preise und keine Kursdaten genannt. Alle Rechen- und Simulationsmodule sind stark vereinfachte Modellrechnungen und keine Prognose; die tatsächliche Entwicklung kann davon abweichen. Der Fortschritt bleibt auf diesem Gerät und wird nirgendwohin übertragen.